Fachtagung und Mitgliederversammlung 2021

Nach einigen Verschiebungen und organisatorischen Hürden, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, fand seit nunmehr ca. 2,5 Jahren wieder eine Fachtagung des DVW Sachsen mit anschließender Mitgliederversammlung in Präsenz statt. Getagt wurde am Freitag, den 8. Oktober 2021 im Fachschulzentrum Freiberg-Zug, einem überregional bedeutenden Agrarbildungsstandort.

 

 

Nach einigen Verschiebungen und organisatorischen Hürden, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, fand seit nunmehr ca. 2,5 Jahren wieder eine Fachtagung des DVW Sachsen mit anschließender Mitgliederversammlung in Präsenz statt. Getagt wurde am Freitag, den 8. Oktober 2021 im Fachschulzentrum Freiberg-Zug, einem überregional bedeutenden Agrarbildungsstandort.

Dr. Lothar Beier bei seinem Grußwort (Foto: DVW Sachsen e.V.)Nach kurzer Eröffnung der Fachtagung durch Axel Pohlmann, Vorsitzender des DVW Sachsen, hielt Dr. Lothar Beier, erster Beigeordneter des Landrates und zugleich Leiter des Geschäftskreises Kreisentwicklung, Umwelt und Technik des Landkreises Mittelsachsen ein Grußwort. Darin stellte er den gastgebenden Landkreis Mittelsachsen als Landkreis der Nachhaltigkeit vor, die hier vor vielen Jahren durch Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz erstmals definiert wurde. Er betonte die Vielfalt seines Landkreises und ging auf einige wirtschaftliche Besonderheiten des Landkreises, wie zum Beispiel den krisensicheren Mittelstand, ein. Ausgehend vom landwirtschaftlichen Schwerpunkt der Tagungsstätte spannte er einen Bogen über die EU-Agrarförderung, für die jeder Schlag genau vermessen sein soll zum Thema Smart Farming. Im mittelsächsischen Ostrau hat einer der führenden Anbieter im Bereich Precision Farming seinen Hauptsitz. Als ländlich geprägter Landkreis ist derzeit der Breitbandausbau eines der größten Projekte, bei dem das Geodatenmanagement ein zentraler Baustein für den Erfolg ist. In seinem Grußwort stellte Dr. Lothar Beier anlässlich des 150-jährigen Jubiläums die Bedeutung des DVW in seiner Funktion als fachliches Beratungsorgan in politischen Entscheidungsprozessen heraus. Insbesondere für den Prozess der Anpassung der Verwaltung im Zuge der Digitalisierung und unter dem Einfluss der Demografie seien die Beratungsleistungen, auch während der Gesetzgebungsverfahren, zwingend notwendig. Zudem würdigte er den DVW als eine Plattform mit einem starken Fokus auf die Wissensvermittlung, zum Beispiel durch die zfv und hob das sich im Verein bietende Netzwerk als sehr bedeutend bei der Bewältigung der bevorstehenden Aufgaben in Politik und Verwaltung hervor.

Oliver Fohl bei der Vorstellung der Abteilung Integrierte Ländliche Entwicklung und Geoinformation des Landratsamtes Mittelsachsen (Foto: DVW Sachsen e.V.)Oliver Fohl, Leiter des Referates Katasterfortführung und Datenbereitstellung im Landratsamt Mittelsachsen stellte, in Vertretung von Abteilungsleiterin Pia Weißenberg, die Abteilung „Integrierte Ländliche Entwicklung und Geoinformation“ des Landratsamtes Mittelsachsen vor. Die Abteilung ist in vier Referate gegliedert und es arbeiten ca. 100 Beschäftigte an der Umsetzung der Fachaufgaben.  Die untere Vermessungsbehörde mit ca. 40 Mitarbeitern übernimmt in erster Linie die hoheitlichen Aufgaben als katasterfortführende Stelle inklusive Eignungsprüfung der Katastervermessungen und Abmarkungen der ÖbVI. Das Referat Geodatenmanagement fungiert als Geodatendienstleister für das gesamte Landratsamt und beinhaltet die Geschäftsstelle des Gutachterausschusses sowie die GDI-Koordinierungsstelle. Mit dem Referat Förderung ländliche Entwicklung werden verschiedene Vorhaben im ländlichen Raum, insbesondere Projekte zur Umsetzung der LEADER-Entwicklungsstrategien in insgesamt sechs verschiedenen LEADER-Gebieten finanziell gefördert. Im Referat Ländliche Entwicklung, Bodenordnung ist die obere Flurbereinigungsbehörde des Landkreises angesiedelt. Vier Teams bearbeiten hier derzeit 32 Verfahren nach dem Flurbereinigungs- und Landwirtschaftsanpassungsgesetz und leisten so einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums.

Dr. Tim Kaiser bei seinem Vortrag (Foto: DVW Sachsen e.V.)Mit dem Thema „Wie kommen eigentlich die Flurstücke ins BIM?“ eröffnete Dr. Tim Kaiser, HTW Dresden, den Block der Fachvorträge. In seinen Ausführungen erläuterte er neben einführenden Erläuterungen zu Begrifflichkeiten des Building Information Modellings, kurz BIM, die Anwendung von BIM für den gesamten „Lebenszeitraum“ von baulichen Anlagen. Als Ziele von BIM nannte er eine termin- und kostengerechte Bauausführung sowie die Vorteile einer Visualisierung von verschiedenen Planungsvarianten. Als zentraler Unterschied zu herkömmlichen Planungswerkzeugen stellte er heraus, dass beim BIM zu jedem Bauteil Informationen vorhanden sind, die es näher beschreiben. Aufbauend ging er auf das an der HTW entwickelte Plugin CityBIM für die marktführende Software Autodesk Revit ein. Das Plugin ermöglicht die benutzerfreundliche Integration von Daten aus ALKIS sowie von 3D-Stadtmodellen (CityGML) in BIM-Projekte. Diese Funktionalität ist erforderlich, um zum Beispiel amtliche Geodaten aus dem Umfeld eines Bauvorhabens für Genehmigungsprozesse darstellen und analysieren zu können. Zusätzlich ist es mit dem Plugin möglich, Daten im Format XPlanung zu integrieren und so zum Beispiel Bauleit-, Raumordnungs- oder Landschaftspläne in das BIM-Projekt mit einzubeziehen. Anschaulich schilderte Dr. Tim Kaiser Anwendungsfälle, für die die entwickelte Software zukünftig eingesetzt werden könnte. Beispielsweise ließe sich so ein digitaler Bauantrag realisieren. Bei der Prüfung des Bauantrages auf Konformität mit den Bauvorschriften sind zum Beispiel die Flurstücksgrenzen Basis für die Prüfung, ob vorgegebene Abstandsflächen, Art und Maß der baulichen Nutzung eingehalten sind. Eine vollständige Prüfung aller baurechtlichen Aspekte durch die Software wird wohl mittelfristig aufgrund der Vielzahl und Komplexität der Bauvorschriften nicht möglich sein. Allerdings kann die entwickelte Software für Bauämter als Entscheidungsgrundlage für etliche Fragestellungen eine große Hilfe sein. Das frei verfügbare Plugin kann über die HTW Dresden oder https://github.com/dd-bim/City2BIM bezogen werden.

Das kurze Fachprogramm wurde von Benjamin Rabisch, Laserscanning Europe GmbH, abgerundet. Herr Rabisch gab mit seinem Vortrag „Der neue Laserscanner Teledyne Optech Polaris – Praxistest an den Wahrzeichen Dresdens“ einen Einblick in sein Betriebspraktikum bei der Laserscanning Europe GmbH. Ausgehend von den technischen Daten des Laserscanners und den wichtigsten Hardwarekomponenten erläuterte Benjamin Rabisch einige besondere Features des Laserscanners. So lässt sich durch den galvanometrischen oszillierenden Spiegel (pendelnde Bewegung proportional zum elektrischen Strom) das Sichtfeld des Laserscanners sehr präzise eingrenzen. Zudem lässt sich die integrierte Georeferenzierung entweder per Stationierung auf einem bekannten Punkt oder mittels freier Stationierung sehr komfortabel im Feld realisieren. Die zugehörige Software ATLAScan bietet den kompletten Workflow von der Planung im Büro, über die Fernsteuerung des Laserscanners im Feld bis zur Prozessierung der Rohdaten und Export in verschiedene Datenformate. Das Blaue Wunder in Dresden konnte mit dieser Ausrüstung innerhalb von vier Stunden mit 15 Scanstandpunkten erfasst werden. Für die Dresdner Frauenkirche waren acht Scanstandpunkte erforderlich, die Erfassung dauerte etwa zwei Stunden. Bei beiden Objekten wurde eine Scandichte von 14-30 mm pro 100 m gewählt. Für ein lückenloses Aufmaß wären teilweise erhöhte Scanstandpunkte erforderlich gewesen, um z.B. Dachkonstruktionen vollständig erfassen zu können. Zur Beurteilung von Messungen mit hoher Reichweite wurde die Frauenkirche zusätzlich aus 500 m, 1.200 m sowie 1.700 m Entfernung aufgenommen. Bei den beiden kürzeren Entfernungen waren die Scanergebnisse sehr zufriedenstellend, bei 1.700 m Entfernung wurden nur noch vereinzelte Punkte auf dem Objekt erfasst. In seinem Fazit stellte Benjamin Rabisch fest, dass der Laserscanner in den Praxistests insgesamt sehr überzeugen konnte. Durch die Möglichkeit, das Sichtfeld des Scanners in verschiedenen Stufen einstellen zu können, lässt sich wertvolle Zeit im Außendienst sparen. Der vielseitig einsetzbare Laserscanner bietet über die verschiedenen Distanzen insgesamt eine gute Datenqualität und konnte in den Tests während des Betriebspraktikums überzeugen.

Punktwolke des Dresdner Blauen Wunders (Foto: Benjamin Rabisch, Laserscanning Europe GmbH)Nach einer wohlverdienten Pause mit Fachgesprächen, Kaffee und Imbiss fand die Mitgliederversammlung des DVW Sachsen e.V. statt. Axel Pohlmann übergab die Leitung der Versammlung an Falco Rogalla. In der Vorstellung erläuterte Axel Pohlmann, dass Falco Rogalla im Vorfeld der Veranstaltung als Beauftragter für die berufliche Weiterbildung (BWB) in den Vorstandsrat berufen wurde und somit die Nachfolge von Klara Töpfer antritt. Auf dem Programm standen neben den üblichen Themen einige Wahlen. Nach Satzung waren die Funktionen des stellvertretenden Vorsitzenden, des Schriftführers sowie des Öffentlichkeitsreferenten zu wählen.

Doch allem Voran stand ein Antrag zur Änderung der Tagesordnung! Inhalt des ersten Tagesordnungspunktes war die Ehrung einiger langjähriger Mitglieder des DVW. Folgende Mitglieder erhielten für Ihre Treue eine Ehrung:

Ehrenpin 40 Jahre Mitgliedschaft im DVW:Ehrung der Jubilare, v.l.n.r.: Axel Pohlmann, Falco Rogalla, Rudolf Schmleper, Gunter Vogel, Lothar Struck, Prof. Wolffried Wehmann, Prof. Gunter Reppchen, Stefan Schütze, Ricardo Schulze (Foto: DVW Sachsen e.V.)

  • Rudolf Schlemper (43 Jahre Mitgliedschaft),

Ehrenpin 25 Jahre Mitgliedschaft im DVW:

  • Gunter Vogel (31 Jahre Mitgliedschaft),
  • Lothar Struck (31 Jahre Mitgliedschaft),
  • Wolffried Wehmann (31 Jahre Mitgliedschaft),
  • Gunter Reppchen (30 Jahre Mitgliedschaft),
  • Stefan Schütze (30 Jahre Mitgliedschaft),
  • Ricardo Schulze (25 Jahre Mitgliedschaft).

Im Bericht des Vorsitzenden informierte Axel Pohlmann über die Tätigkeiten des Vorstandes und des DVW Sachsen Im Jahr 2020 gab es 8 Eintritte in den Verein, 2 Mitglieder in Ausbildung sind aus dem Verein ausgetreten, ein Mitglied wurde an den Landesverein Niedersachsen/Bremen abgegeben, zwei Mitglieder wechselten aus dem Landesverein Baden-Württemberg nach Sachsen. Zwei Mitglieder verstarben. Insgesamt ergibt sich damit eine stabile Mitgliederentwicklung, wobei die Zahl der ordentlichen Mitglieder erfreulicherweise wächst. Weiterhin berichtete der Vorsitzende von der Teilnahme an Veranstaltungen, zum Beispiel der Mitgliederversammlung des DVW e.V. am 27. März 2020 als Web-Konferenz bzw. am 11. und 12. Oktober 2020 in Fulda. Die für den 20. März 2020 geplante Fachtagung und Mitgliederversammlung des DVW Sachsen musste pandemiebedingt abgesagt werden. Die für die Vereinsarbeit notwendige Mitgliederversammlung wurde am 28. Oktober 2020 in Minimalbesetzung durchgeführt, die Mitglieder vorab schriftlich an den notwendigen Beschlüssen beteiligt. Unter Federführung des DVW Sachsen wurde die Ausbildungsmesse KarriereStart vorbereitet, bei der die Berufsverbände BDVI, DGfK, DVW und VDV mit Unterstützung der HTW Dresden sowie des GeoSN einen gemeinsamen Stand betreiben wollten. Die Messe wurde leider abgesagt. Die „Digitale Welten – Kongress für Geoinformatik und Geodäsie 2020“ sollte im Januar stattfinden, wurde aber ebenfalls abgesagt.

Im Jahr 2020 ist eine Ausgabe des Mitteilungsblattes erschienen, das über 95 % der Mitglieder in elektronischer Form erhalten haben. Im Vorstandsrat gilt es im Jahr 2021/22 insgesamt drei Positionen neu zu besetzen: die Vertreter der HTW sowie TU Dresden und den Studentenvertreter.

Schatzmeister Ricardo Schulze konnte zum Haushaltsjahr 2020 von höheren Einnahmen und pandemiebedingt von geringeren Ausgaben als geplant berichten. Der Bericht der Kassenprüfer, vertretungsweise vorgetragen von Prof. Wehmann, stellte klar, dass Kasse und Bücher des DVW Sachsen ordnungsgemäß und ohne Mängel geführt und die Entlastung des Vorstandes vorgeschlagen wurde, welche anschließend auch einstimmig beschlossen wurde. Axel Pohlmann dankte dem satzungsgemäß nach zwei Geschäftsjahren scheidenden Kassenprüfer Jirka Zimmermann für seine Arbeit. Als Kassenprüferin für die nächsten beiden Geschäftsjahre wurde Karin Andert gewählt.

Vor der Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden wurde Thomas Franz für die Übernahme dieser Funktion in der letzten Wahlperiode geehrt. Aus persönlichen Gründen schloss er eine weitere Kandidatur aus. Als neuer stellvertretender Vorsitzender wurde Felix Raderecht gewählt. Er war bisher im Vorstand als Öffentlichkeitsreferent tätig. Die langjährige Schriftführerin, Anja Jahn, wurde erneut in dieses Amt gewählt. Als neuer Öffentlichkeitsreferent wurde Marcus Zurell nach kurzer Vorstellung gewählt.

Die Niederschrift zur Mitgliederversammlung mit detaillierteren Informationen zu den einzelnen Tagesordnungspunkten findet sich im nächsten Mitteilungsblatt.

SAVE THE DATE: Die nächste Fachtagung und Mitgliederversammlung ist für den 25. März 2022 in Plauen geplant.

Der DVW Sachsen e.V. bedankt sich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die zur Umsetzung und Gestaltung der Fachtagung und Mitgliederversammlung beigetragen haben. Mit einem kurzweiligen Programm und Raum für persönliche Gespräche blicken wir auf eine gelungene Veranstaltung zurück.

Vorstand des DVW Sachsen e.V.

Bilder: © DVW Sachsen e.V., Benjamin Rabisch

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